Zurück auf Start Aufbau einer Twisted-Hille-Antenne - verlängerte Version

Karl H. Hille, DL1VU, beschrieb in der Zeitschrift Funk 8/1999, S. 44-47 unter dem Titel "Der 13-m-Dipol - Eine kompromißlose, breitbandige Richtantenne" eine von ihm entworfene Mehrbandantenne. Mit 13 m Länge (2 × 6,5 m) ist diese Antenne auf allen Bändern von 80 bis 10 m kürzer oder länger als eine Halbwelle. Außerdem verzichtete er ganz bewust darauf, die Antenne in Resonanz zu betreiben. Laut seiner Aussage wird "die Strahlung einer Antenne überhaupt nicht von der Resonanz beeinflußt".
 
Die Speisepunktimpedanzen sind auf den Bändern recht unterschiedlichen. Deshalb hat DL1VU zu einer offenen Zweidrahtleitung oder der praktischer handhabbaren 450-Ω-Bandleitung (Wireman) geraten. Als Abspannhöhe hat er 10 m empfohlen. Über die Länge des Speisekabels verriet er jedoch nichts. Hille verwendete für die Antennenäste und die offene Zweidrahtleitung (Hühnerleiter) hartgezogenen Kupferdraht mit 1,6 mm Durchmesser.
 
Prinzip einer Twisted-Hille Peter Zenker, DL2FI, machte besonders bei QRP-Treffen ab 2009 eine leicht und schnell zu errichtende Variante des 13-m-Dipols bekannt: die "Twisted Hille". Die von ihm empfohlene Art der Speisung über zwei isolierte, verdrillte Leitungen ist nicht neu. Bereits Dave Gauding, NF0R, und Doug Hendricks, KI6DS, publizierten diese Doublet-Antenne, für die sie jedoch Flachbandkabel beziehungsweise Computer-Flachbandkabel verwendeten. Auch Jim Duffey, KK6MC/5, und Dennis Foster, KK5PY, haben zum Design beigetragen, sagte Doug. Zu der von Dave Gauding, NF0R, in der QRPp, Spring 1999, S. 16-19, vorgestellten "St. Louis Doublet" habe ich nichts mehr im Internet gefunden. Jedoch ist Dougs Beschreibung im QRP-Report, 4/2010, S. 30-31, vorgestellte, aus einem Stück hergestellte "NorCal Doublet Antenne" noch immer auf der Webseite des NorCal QRP Clubs hier und hier nachzulesen.
 
Abmessungen und Modifikationen
 
Jede Strahlerhälfte mit 6,5 m mechanischer Länge also 6,63 m elektrischer Länge bei VF = 0,98 hat auf keinem Band zwischen 80 und 10 m eine Resonanz. Doch 6,63 m sind gerade einmal 0,08 λ, recht kurz für 3,53 MHz. Ich suchte daher nach einer größeren Antenne und wählte eine um 40 % längere Version. Hier die Lösung mit 2 × 9,5 m für den Strahler und 8 m für die Zweidrahtleitung.
 
Dabei habe ich VF = 0,98 für den Strahler und VF = 0,80 für die Leitung angenommen. Im folgenden Javascript werden entsprechend der Frequenz, die Wellenlänge des Strahlers (S) sowie die Wellenlänge von Strahler und Zweidrahtleitung (S+Z) entsprechend der vorgegebenen mechanischen Längen und der Verkürzungsfaktoren ermittelt.

mit VF =

mit VF =

 

→  S =λ,  S+Z =λ

→  S =λ,  S+Z =λ

→  S =λ,  S+Z =λ

→  S =λ,  S+Z =λ

→  S =λ,  S+Z =λ

→  S =λ,  S+Z =λ

→  S =λ,  S+Z =λ

→  S =λ,  S+Z =λ

→  S =λ,  S+Z =λ

Die ermittelten Längen in Wellenlängen sollten auf keiner Frequenz ein ganzzahliges Vielfache von λ bilden, denn dann wäre die Antenne hochohmig uns somit schlecht anzupassen.
 
Materialien und Aufbau
 
Ich habe die Antenne in Form einer Inverted-Vee aufgebaut. Dadurch ist nur ein hoher Abspannpunkt erforderlich. Bei den genutzten 5,5 m Masthöhe sowie mit 9,5 m langen Antennenäste und 2,8 m langen Abspannungen ergibt sich ein Winkel von 127° an der Spitze - nahe des Ideal-Winkels von 120° für eine Inverted-Vee.
 
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Haspel Für Strahler und Zweidrahtleitung verwende ich isolierte Kupferlitze mit 1,2 mm Außendurchmesser und 0,14 mm2 Querschnitt. Diese Litze gibt es mit verschiedenfarbiger Isolation. Ich wählte gelbe Litze, weil dann die Drähte gut zu sehen ist, wenn sie auf dem Boden liegt. Die Einzeladern der Zweidrahtleitung habe ich nach dem leichten Verdrillen aller 50 cm mit kurzen Schrumpfschlauchstücken gesichert.
 
6 m GFK Mast mit und ohne Überzug Der verwendeten Teleskopmasts von Lambdahalbe ist knapp 6 m lang. Die Segmente haben nur eine geringe Wanddicke, wodurch der Mast nur 650 g wiegt. Das untere Segment ist durch einen Schrumpschlauch gegen Beschädigung gut geschützt. Insgesamt hat der Mast 12 Segmente und er lässt sich mit 57 cm Transportlänge gut im Rucksack verstauen.
 
Haspel mit aufgewickelter Antenne Das obere Segment ist zu dünn, um den seitlichen Zug der beiden Antennendrähte längere Zeit auszuhalten. Ich befestigte die Antenne deshalb am Übergang vom 11. zum 12. Segment in 5,5 m Höhe. Mittels der flexiblen Kunststoffhülse eines alten Bananensteckers lässt sich die Antenne gut auf dem Absatz zum nächsten Segment befestigen. Das Querloch in der Hülse dient zum Festbinden der Antenne.
 
Kunststoff-Heringe Den Mast selbst habe ich oft nicht abgespannt. Statt dessen dienen die dünne Schnüre (Maurerschnur) an den beiden Antennenästen und an der Zweidrahtleitung als Kippsicherung. Diese drei Punkte bilden ein Dreieck, wodurch der Mast ausreichend kippsicher steht.
 
Schwierig wird es erst, wenn starker Wind herrscht. Sollte ein Pfahl oder dünner Baum da vorhanden sein, wo ich die Antenne aufbauen möchte, nutze ich diesen selbstverständlich gerne. Ein Gepäckgummi um das untere Segment und den Pfahl reicht zur Befestigung.
 
Zur Befestigung der Abspannungen im Boden nutze ich leuchtend grüne Kunststoff-Hering, die jeweils 22 g wiegen. Ich habe ein 6er-Paket in der Gartenabteilung eines nahen Hellweg-Baumarkts für 5,99 € gekauft.
 
Antenne in Transporthülle Diese Heringe lassen sich in steinigem Boden schwerer einbringen, bieten jedoch in weicherem Boden besseren Halt als dünnere Befestigungsnägel aus Metall. Zum Aufwickeln der Antenne habe ich mir eine Haspel aus Hartpapier gebaut. Sie misst 4 × 20 cm und ist 2 mm dick und stabil genug. Zusammen mit den 3 Heringen passt die Antenne in eine Kunststoff-Hülse von Modulor (Artikel-Nr. 0190485, 6,90 €) mit 6,5 cm Durchmesser und 20 cm minimaler Länge.
 
Selbst wenn der Mast lediglich über die Abspannungen an den Antennenästen und die Zweidrahtleitung in der Senkrechten gehalten wird, ist seine Befestigung am unteren Ende ist nicht erforderlich. Es reicht, den Mast mit der Schutzkappe etwas in den Boden zu versenken. Eine kleine Vertiefung ist dafür schon ausreichend.